Selbstständigkeit nach dem Studium – Worauf ist zu achten?

Nach dem Studium geht es an das Schreiben von Bewerbungen, um die erste Anstellung zu ergattern. Gerade für Berufseinsteiger ist das nicht immer einfach. Und oft folgen zunächst Praktika, ein Volontariat oder eine Traineestelle, bevor ein tatsächlicher Berufseinstieg möglich ist. Nicht für jeden ist dieser Weg der passende. Denn was, wenn man lieber von Anfang an sein eigener Chef sein will? Oder wenn da diese Idee für ein ganz besonderes Unternehmen im Kopf ist, das so in keiner Stellenanzeige zu finden ist? In einem solchen Fall kann es eine gute Idee sein, sich direkt nach dem Studium selbständig zu machen. Damit der Einstieg in die Selbständigkeit ein Erfolg wird, ist es wichtig, sich vorab sehr gut zu informieren und die richtigen Weichen zu stellen.

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Auf dem Weg in die Selbständigkeit ist eine gute Vorbereitung das A und O.
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Auf dem Weg in die Selbständigkeit ist eine gute Vorbereitung das A und O.

Eine gute Planung als A und O

Coachings, Kurse und Workshops helfen Gründern und angehenden Freiberuflern, notwendige Fähigkeiten und Voraussetzungen für die Selbständigkeit – wie Basiswissen für die Kundenakquise oder Marketingstrategien – zu erwerben. Zudem gibt es zahlreiche Beratungsangebote, die eine realistische Einschätzung über das berufliche Vorhaben vermitteln, einen Überblick über Förderprogramme geben und bei der Erstellung eines Businessplans helfen.

Vor allem eine solide Finanzierung als Basis für die Unternehmensgründung oder den Start als Freiberufler dürfen nicht unterschätzt werden. Über das Sparpotenzial bei einem Kredit für Selbstständige kann man sich sogar online einen ersten Überblick verschaffen.

Es lohnt sich in jedem Fall, sich Zeit für eine gründliche Vorbereitung zu nehmen.

Das eigene Unternehmen gründen

Eine Unternehmensgründung funktioniert in der Regel nicht ohne Strategie und Businessplan. Letzteren braucht es nicht nur, um eventuelle Fördergelder oder Kredite zu beantragen. Ein gut ausgearbeiteter Businessplan ist auch für den Gründer selbst ein wichtiger Leitfaden.

Des Weiteren kann der Startschuss für das eigene Unternehmen erst mit der Gewerbezulassung fallen. Um ein reglementiertes Gewerbe anmelden zu können müssen unterschiedliche Fachkompetenzen bei der am Unternehmenssitz zuständigen Behörde nachgewiesen werden.

Darüber hinaus gilt es, sich für eine passende Rechtsform für das Unternehmen zu entscheiden. Es gibt eine Reihe von Gesellschaftsformen, die sich in den Gründungsmodalitäten, Haftungs- und Organstrukturen und auch im Anwendungsbereich unterscheiden. Abhängig von der gewählten Rechtsform sind dann weitere Formalitäten notwendig.

Eine Unternehmensgründung ist eine komplexe Angelegenheit. Bei Fragen und für Hilfestellungen, um bei den Formalitäten nichts falsch zu machen, kann man sich an einen Gründerservice wenden. Auch die Beratungskosten für Unternehmer werden gefördert.

Selbständig in den freien Berufen

Wer sich selbständig macht, muss sich zunächst mit der Gewerbeordnung auseinandersetzen. Ausgenommen ist hier die Gruppe der freien Berufe. Diese sind nicht an die Gewerbeordnung gebunden. Bei bestimmten Studienfächern wie Jura, Medizin oder Kunst bietet sich eine Selbständigkeit als Freelancer besonders gut an.

Zu den freien Berufen gehören:

  • Rechtsanwälte
  • Notare
  • Humanmediziner
  • Therapeuten
  • Tiermediziner
  • Journalisten
  • Dolmetscher
  • Designer
  • Künstler
  • Musiker

Voraussetzungen

Zwar braucht es für die Aufnahme eines freien Berufs keinen Gewerbeschein, doch natürlich muss das Finanzamt informiert werden. Da in einigen Berufssparten die Definition als freier Beruf nicht immer eindeutig ist, entscheidet zuletzt das Finanzamt, ob eine freie Tätigkeit vorliegt oder nicht.

Selbstverständlich ist bei vielen freien Berufen ein bestimmter Ausbildungsstandard Pflicht. Während theoretisch jeder, der es sich zutraut, als freier Journalist oder Künstler tätig werden kann, braucht ein Rechtsanwalt entsprechende Nachweise über seine Ausbildung.

Diese Fähigkeiten brauchen Selbständige

Ob Unternehmer oder Freelancer: Selbständige gehen ihrer Tätigkeit selbständig und auf eigene Verantwortung nach. Das bedeutet, dass sie nicht nur die Fähigkeiten mitbringen müssen, die Kunden, Patienten oder Klienten erwarten und über das nötige Fachwissen verfügen sollten. Selbständige müssen darüber hinaus ein gewisses betriebswirtschaftliches Wissen mitbringen oder sich aneignen.

Wer Mitarbeiter beschäftigt benötigt zudem Führungsqualitäten und darf keine Scheu davor haben, dass andere finanzielle vom eigenen Erfolg abhängig sind.

Als Selbständiger heißt es zunächst eigene Kunden, Auftraggeber, Klienten oder Patienten zu gewinnen. Die Akquise macht gerade in der Anfangszeit der Selbständigkeit einen wichtigen Teil der Arbeit aus. Der Zeitaufwand sollte nicht unterschätzt werden und eine gute Marketingstrategie ist unerlässlich.

Pixabay.com © geralt CC0 Public Domain Die Selbständigkeit bringt viele tolle Chancen mit sich, aber auch viel Verantwortung.
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Die Selbständigkeit bringt viele tolle Chancen mit sich, aber auch viel Verantwortung.

Gut abgesichert

Wer sich selbständig macht, ist gut beraten, sich rechtzeitig um passende Versicherungen zu kümmern. Denn für Unternehmer und Freelancer gelten andere Rahmenbedingungen als für Angestellte. Und für einen umfassenden Versicherungsschutz, sind meist private Zusatzversicherungen notwendig.

Abhängig von der Art des Unternehmens ist eine Betriebsversicherung unabdingbar. Betriebsunterbrechungsversicherungen helfen aus, wenn ein Schaden ein Unternehmen vorübergehend außer Gefecht setzt. Gegen Schadensforderungen von Dritten sichert eine gute Haftpflichtversicherung ab. Darüber hinaus ist eine umfassende Rechtsschutzversicherung empfehlenswert.

Für viele Selbständige ist es zudem ratsam, einen gesetzlichen Versicherungsschutz wie Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Unfallversicherung durch Zusatzbeiträge aufzuwerten. So kann beispielsweise ein Anspruch auf Krankengeld sichergestellt werden.

Selbständigkeit und Steuern

Neben den richtigen Versicherungen sind für Selbständige die Steuern – allen voran Einkommensteuer und Umsatzsteuer – ein großes Thema, über das Gründer und angehende Freiberufler sich schon vorab Gedanken machen sollten.

Ein besonderer Posten bei der Steuererklärung sind für Selbständige beispielsweise die Werbungskosten. [Info der Redaktion zur Situation in Österreich: Betriebsausgaben sind die Werbungskosten eines Selbstständigen – alles, das den Gewinn schmälert, zählt hier zu den Werbungskosten]. Wer sich hier gut informiert, kann viel Geld sparen.

Darüber hinaus gibt es zum Beispiel Tipps und Kniffe, die zum Tragen kommen können, wenn Wohnsitz und Firmensitz in einem größeren Abstand voneinander liegen.

Ein guter Steuerberater kann gerade in den ersten Jahren der Selbständigkeit wertvolle Ratschläge geben und ist darüber hinaus immer auf dem neuesten Stand der aktuellen Steuergesetze.

Fazit

Als Unternehmer oder Freelancer sein Geld zu verdienen kann große Freude bereiten. Selbständig zu sein bringt viel Freiheit mit sich – aber auch viel Verantwortung. Das Wichtigste ist eine gute Planung und umfassende Informationen. Damit kann man nicht früh genug beginnen. Und wer schon früh weiß, dass die Selbständigkeit genau das Richtige für ihn ist, kann sich bereits neben dem Studium selbständig machen. Auf diese Weise hat man nach Abschluss der Ausbildung im besten Fall schon so gut vorgearbeitet, dass man bequem aus der Nebentätigkeit einen Vollzeitjob machen kann. Oder man ist zumindest um viele wichtige Erfahrungen reicher.


Zur Verfügung gestellt von Mareike Kahl.

 

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