Die ersten Schritte zur Selbstständigkeit: Was ist bei der Finanzierung zu beachten?

Sich selbstständig zu machen, ist nicht einfach. Stets erfordert der Schritt Mut, doch welche Anforderungen auf einen zukommen, hängt maßgeblich von der Art der gewählten Selbstständigkeit ab. Grafikdesigner, die von zu Hause ausarbeiten, müssen weniger Anforderungen erfüllen als Handwerker oder produzierende Betriebe. Gemeinsam ist ihnen hingegen die Finanzierung der Selbstständigkeit. Gerade bei größeren Start-ups ist das Eigenkapital oft schnell aufgebraucht. Aber was müssen Gründer in Österreich beachten, wenn sie sich selbstständig machen und ihre Finanzen beobachten? Dieser Artikel schaut sich das einmal an.

0
44
Abbildung 1: Der Weg in die Selbstständigkeit bringt gerade zu Beginn viele Hürden mit sich. Wer die Finanzierung sorgfältig plant, kann diese Hürden zumindest teilweise überwinden. Bildquelle: @ Towfiqu Barbhuiya / Unsplash.com

Finanzierung für die Unternehmensgründung

Jede Unternehmensgründung benötigt zu Beginn einen finanziellen Anschub, um gedeihen zu können. Vielfach gibt es Förderungen, so auch in Österreich. Etliche Förderungsmaßnahmen stehen für österreichische Gründer zur Verfügung:

  • Austria Wirtschaftsservice – der Aws bietet Jungunternehmern eine Topprämie von maximal 10 Prozent der investierten Summe, sofern die Investition mindestens 100.000 Euro betrugen. Über den Jungunternehmercheck können Selbstständige zudem bis zu 20.000 Euro erhalten. Die Jungunternehmerprämie hingegen ist ein Zuschuss zum ERP-Kleinkredit und bietet bis zu fünf Prozent bei Investitionen von bis zu 100.000 Euro.
  • NeuFÖG – diese Förderungen stehen unter anderem Gründern im Bereich der Forstwirtschaft zu. Auf diesem Weg lassen sich vor allem Gebühren für die Gründung einsparen.
  • ÖHT – diese Förderung betrifft den Hotelbereich. Es kann Einmalzuschüsse geben, die Vergabe wird je nach Fall geprüft. Oft geht es dabei um Unterstützung beim Bau des Hotels oder bei der späteren Einrichtung.
  • Bundesländer – auch die einzelnen Bundesländer in Österreich haben ihre eigenen Förderungen für Gründer.
    Natürlich spielen die Finanzierungen durch das eigene Kapital ebenfalls eine tragende Rolle. Die wenigsten Gründer gehen komplett ohne Eigenkapital in die Selbstständigkeit, wobei hier fairerweise gesagt werden muss, dass das Eigenkapital oft aus der Familie oder aus familiären Darlehen stammt. Und welche weiteren Modelle gibt es?
  • Investoren – wer einen Investor mit ins Boot holt, der gibt zwar oft Anteile an dem eigenen Unternehmen ab, erhält aber dafür Geld. Allerdings eignen sich nicht alle Betriebe für Investitionen. Die Erfolgsaussichten müssen klar sein, denn ein Investor möchte natürlich an dem Unternehmen mitverdienen. Hierbei kommt es jedoch auch immer auf die Art des Investors an. Zu Beginn steigen gern Business Angels ein, die neben Kapital auch ihr eigenes Know-how mit ins Unternehmen einbringen.
  • Crowdinvesting – hierbei gibt es eine breite Masse an Investoren, die jeweils kleine Beträge investieren können. Meist wird das Crowdinvesting in Verbindung mit neuen Produkten genutzt, da die Investoren sich wieder mit in das Unternehmen einkaufen. Um das Crowdinvesting korrekt anzugehen, sind Marketingpläne, Pitches und natürlich gute Produktvorstellungen notwendig. Eine zweite Möglichkeit ist, über das Crowdinvesting einen oder zwei größere Investoren zu finden, die gemeinsam in das Unternehmen investieren. Im Normalfall geht es jedoch eher darum, viele Kleininvestoren zu gewinnen.
  • Crowdfunding – dies ist ähnlich wie das Crowdinvesting. Allerdings geht es hier oft um ein bestimmtes Produkt. Durch die Investoren wird dieses finanziert und die Investoren erhalten das Produkt als erstes.
    Bei Investoren aus dem Familien- oder Bekanntenkreis sieht es meist anders aus. Oft steht hinter dem Geld ein Privatkredit oder eine Schenkung. Eine direkte Gegenleistung oder die Teilhabe am Betrieb sind möglich, werden jedoch oft nicht erfragt. Meist reicht es, das Geld später zurückzuzahlen. Doch auch bei Privatdarlehen ist Vorsicht geboten. Das Sprichwort, dass jede Freundschaft bei Geld endet, kommt nun zum Tragen. Es gilt:
  • Darlehensvertrag – es sollte immer ein Darlehensvertrag geschlossen werden. Vordrucke gibt es überall, aber auch selbst lässt sich der Vertrag leicht aufsetzen.
  • Was ist wichtig? – die Fakten rund um den Kredit müssen im Vertrag stehen. Das betrifft die Summe, eventuelle Zinsen (auch Pauschalzahlungen), Rückzahlungsmodalitäten, Laufzeit und etwaige Sicherheiten.
  • Warum ist das wichtig? – ohne Vertrag stehen beide Seiten auf unsicherem Boden. Es lässt sich mitunter leicht behaupten, dass die Kreditsumme viel höher war, als die, die auf dem Konto eingegangen ist, weil ein Teil davon in bar ausbezahlt wurde. Auch lassen sich bei Streit die Modalitäten leicht ›vergessen‹. Ist jedoch ein Vertrag vorhanden, so ist dieser bindend.

Private Kredite für Selbstständige: Geht das?

Selbstständige sind beruflich selbstständig, doch als Person sind auch sie reine Privatleute. Diese Unterscheidung ist völlig normal, wünscht sich ein Selbstständiger jedoch einen Privatkredit, so scheint es die Unterscheidung mit einem Mal nicht mehr zu geben. Es ist so, dass es Selbstständigen oftmals viel schwerer fällt, einen reinen Privatkredit zu erhalten als Angestellten. Aber warum ist das so?

  • Unbeständiges Einkommen – Selbstständige können ihre Einkommenssituation wesentlich schlechter belegen und vorweisen als Angestellte. Das Einkommen von Selbstständigen schwankt häufig massiv; je nach Branche ist es zudem nicht unüblich, dass der Selbstständige einen Monat fünfstellig verdient, dann aber vier Monate keinerlei Einnahmen hat – nur um wieder einen fünfstelligen Auftrag zu erhalten.
  • Unsicherheit – aus der Einkommenssituation ergibt sich für Banken eine enorme Unsicherheit. Sie können die Kreditsicherheit nicht gut einschätzen. Natürlich gibt es diesbezüglich wieder Unterschiede. Ein Selbstständiger, der ständig hohe fünf- oder gar sechsstellige Beträge verdient, der hat weitaus weniger Probleme bei der Kreditaufnahme als derjenige, der im Jahr vielleicht auf 30.000 Euro kommt.
  • Kredithöhe – letztendlich spielt sie mit in die Problematik hinein. Möchte ein Selbstständiger einen Kredit im kleinen Rahmen von beispielsweise 3.000 Euro aufnehmen, stehen die Chancen weitaus besser als bei höheren Krediten. Handelt es sich um einen Autokredit, so ist die Aufnahme trotz der hohen Summe oft möglich, da das Auto als Sicherheit bürgt.
    Natürlich stehen Selbstständige nicht ohne Kreditchancen dar. Es gibt etliche Angebote für Selbstständige, dennoch unterscheiden sich diese meist von den herkömmlichen Verbraucherdarlehen:
  • Höhe – sie hängt noch stärker vom Einkommen und weiteren Faktoren ab. Gerade hohe Kreditsummen ohne einen echten Gegenwert wie beispielsweise ein Auto oder auch eine Immobilie sind schwer erhältlich.
  • Sicherheiten – oft müssen Sicherheiten erbracht werden, die den Kredit zusätzlich absichern. Zweite Kreditnehmer oder Bürgschaften sind bei Privatkrediten durchaus gängig, wenn der Hauptkreditnehmer ein Selbstständiger ist.
  • Kosten – im Vergleich zu normalen Verbraucherkrediten haben Selbstständige oft einen erhöhten Zinssatz zu akzeptieren. Über die Zinsen sichern sich die Banken zusätzlich ab. Aber wie erhält ein Selbstständiger einen Privatkredit? Auch für Gründer bietet das Internet den Kreditvergleich. Je nach Vergleichsportal lassen sich über das Menü direkt die Kredite ausschließen, die nicht für Selbstständige gedacht sind. Das bedeutet aber nicht, dass keinerlei Angebote dieser Banken in der Vergleichsliste angezeigt werden. Nun hilft einzig der Blick in die Details. Doch werden dort Selbstständige ausgeschlossen, kann sich eine direkte Nachfrage bei dem Kreditanbieter lohnen. Oft werden Gruppen nach außen hin ausgeschlossen, die intern dennoch einen Kredit erhalten. Letztendlich hängt es schließlich immer von der Person und ihren Finanzen ab. Zudem gilt:
  • Spezialkredite – Crowdlending ist für Selbstständige durchaus interessant. Hierbei leihen Privatpersonen über eine Plattform Geld an Dritte und schließen mit diesen einen Kreditvertrag. Wird dies über eine geführte Plattform getan, so übernimmt diese die Rolle als Vermittler und gibt die Vertragsdetails vor. Ein Selbstständiger, der eine gute Bonität aufweist und schon vorweisen kann, dass er Kreditverpflichtungen nachkommt, hat gute Chancen. Die Zinsen sind allerdings ein wenig höher als bei regulären Krediten.
  • Digitalkredite – fixe Angebote aus dem Bereich der digitalen Kredite sind für Selbstständige oft nicht nutzbar. Das Problem ist, dass diese Angebote feste Konditionen vorgeben und keinerlei Raum für Sonderwünsche bieten. Zweite Kreditnehmer oder besondere Sicherheiten lassen sich im digitalen Prozess nicht einbringen. Aber: Was auf dem rein digitalen Weg nicht geht, kann bei Rücksprache manuell erfolgen. Allerdings erhöhen sich die Bearbeitungszeiten für die Kredite durch den Mehraufwand.
  • Achtung – auf dem Kreditmarkt gibt es etliche schwarze Schafe, die allgemein als Kredithaie bekannt sind. Auch Selbstständige müssen sich vor ihnen in Acht nehmen. Kredithaie bieten meist Kredite zu sehr schlechten (horrenden) Konditionen, nicht selten gepaart mit nachteiligen Rückzahlungsvereinbarungen. Ähnliches gilt für Kreditvermittler, die gerne um Selbstständige buhlen. Per se sind Kreditvermittler keine schlechte Sache, doch lassen sich diese vor der Vermittlung schon bezahlen, ist oft Betrug mit im Spiel. Seriöse Kreditvermittler werden meist von den Banken bezahlt, nicht vom Kunden. Und sollten sie vom Kunden bezahlt werden, dass erst, nachdem ein Kreditvertrag unterschrieben und die Summe ausgezahlt wurde. Erst jetzt steht ein geringer prozentualer Anteil zur Debatte. Etliche Angebote für Selbstständige sind jedoch absolut seriös und zu empfehlen. Natürlich sind die Zinskonditionen nicht so hervorragend wie bei Angestellten, doch liegt das an der Unsicherheit, die das Unternehmerbusiness mit sich bringt.
Seo2B-Blogbeitrag_absolventen.at
Abbildung 2: Grundsätzlich ist eine Unternehmensgründung heute relativ unbürokratisch möglich. Wer am Anfang finanzielle Unterstützung benötigt, sollte sich die möglichen staatlichen Förderungen genauer anschauen. Bildquelle: @ Thomas Lefebvre / Unsplash.com

Fazit – gründen und Geld erhalten

Gründer haben in Österreich durchaus mehrere Möglichkeiten, über Gründungsförderungen die ersten Schritte ins Geschäftsleben leichter zu bewältigen. Allerdings ist Vorarbeit notwendig, denn oft werden Businesspläne gefordert. Zudem dauert die Auszahlung häufig, sodass geraten wird, Zuschüsse und Förderungen schon vor der Gründung zu beantragen. Vielfach setzt sich die Finanzierung einer Gründung jedoch aus mehreren Bausteinen zusammen, zu denen das Eigenkapital und familiäre Gelder zählen.

Sobald jemand selbstständig ist, ändert sich im Privatleben jedoch auch etwas. Privatkredite lauern nun nicht mehr an jeder Ecke, denn viele Banken reißen sich nicht unbedingt um die Geldvergabe an Selbstständige. Daher ist auch bei einem Privatkredit Geduld und Zeit gefordert, bis ein gutes Angebot gefunden wird. Bei Autokrediten ist es einfacher, denn das Auto dient der Bank über die Zulassungsbescheinigung als Sicherheit für die verliehene Summe. Vorsichtig sollten Selbstständige dann sein, wenn sie dringend Geld benötigen und ein Angebot zu schnell kommt. Kredithaie oder unseriöse Kreditvermittler lauern insbesondere im Internet und drängen sich den Betroffenen nahezu auf. Sollte ein Kreditvermittler Geld vor der Vermittlung einfordern, gilt: Umdrehen und das Weite suchen. Solche Angebote sind nicht seriös und enden quasi nie in einem Kredit. Oft werden die Geldforderungen sogar wiederholt, wenn einmal gezahlt wurde.


Mit freundlicher Unterstützung von
Erich Linsinger

 

Kommentieren Sie den Artikel

Kommentar schreiben
Name eingeben