Kreative Bewerbung – Es geht auch anders

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Bewerber wird von zwei Personalern interviewt - Vorstellungsgespräch

Du bist auf Jobsuche und hast bereits interessante Unternehmen bzw. Stellenangebote im Visier? Dann ran an die Tasten! Es ist Deine Chance, eine kreative Bewerbung abseits der üblichen Standardfloskeln, die bei HR-Verantwortlichen tagtäglich auf dem Tisch landen, zu erstellen. Wir geben Dir Anregungen für kreative Ansätze mit Anti-Gääähn-Faktor.

Der magische erste Absatz

Nicht weniger herausfordernd als der erste Satz nach einem Tinder-Match ist der Einstiegssatz Deines Motivationsschreibens. Die ersten Worte müssen mit Kreativität getränkt werden wie ein gutes Sushi in Soja Sauce. Das ist Deine Chance, zu beweisen, dass Du Dir wirklich Gedanken über die Position und den passenden Einstieg im Anschreiben gemacht hast.

Um beim Tinder-Beispiel zu bleiben: Wie hoch schätzt Du den Erfolg der Standard-Begrüßung “Hey, wie geht’s?” ein? Oder anderes formuliert: Wie oft hast Du diese Begrüßung schon gelesen und was sagt dies über die Bemühungen des Absenders aus, Dich zu beeindrucken?

Bei der Bewerbung verhält es sich nicht anders: Klar, das Anschreiben ist ein seriöses Dokument, das sich an eine/n HR-ManagerIn eines Unternehmens richtet – saloppe Floskeln haben hier nichts verloren. Aber ein Hauch von Kreativität beeinträchtigt noch lange nicht die Ernsthaftigkeit des Schreibstils.

Im Folgenden zunächst zwei Negativbeispiele, die schon so ausgelutscht sind, dass viele PersonalerInnen das Dokument gleich wieder beiseitelegen:

„Hiermit bewerbe ich mich um…”

„Ich interessiere mich für die ausgeschriebene Stelle…”

Gääähn! Das ist ungefähr so kreativ, wie die Standardbegrüßung des Facebook-Teams bei Schönwetter, dass der Himmel heute über der Stadt XY aufklart.

Vielleicht fragst Du Dich an dieser Stelle, warum der erste Satz überhaupt erfolgsentscheidend sein kann, schließlich zählen Zahlen, Daten und Fakten aus Lebenslauf und Zeugnis immer noch mehr. Antwort: Das stimmt, aber bedenke: Gerade als frisch gebackene/r AbsolventIn kannst Du Dich im Unterschied zu berufserfahrenen BewerberInnen, die sich bereits im Job profilieren konnten, von anderen MitstreiterInnen noch nicht so abheben. Die Bewerbungsunterlagen können dann – bei ähnlicher Qualifikation mehrerer BewerberInnen – den entscheidenden Unterschied machen. Selbst wenn Du Dich als BuchhalterIn bewirbst, schadet eine nicht übertrieben kreative Einleitung im Anschreiben nicht. Vor allem zeigt ein gelungener Einstieg unabhängig von der Position, dass Du Dir Gedanken gemacht hast und ernsthaftes Interesse an der Position bekundest.

Wie gelingt der Einstieg besser als in den Beispielen oben angeführt? Je nach Arbeitgeber oder persönlicher Situation kann eine Alternative besser sein als die andere. Überlege Dir am besten immer konkret, welcher Einstieg für welche Bewerbung am besten passt. Einstiegssätze, mit denen Du generell gute Erfahrungen gemacht hast, kannst Du natürlich öfter verwenden (http://bit.ly/2wJGJuL).

Hier ein paar Grundregeln, die Deine Kreativität aber nicht einschränken sollen:

  • Formuliere Deinen Einstieg kurz und knapp.
  • Sei einzigartig und mutig.
  • Zeige Lösungswege und Ansätze, um die Probleme der Unternehmen zu lösen bzw. sie dabei zu unterstützen, noch erfolgreicher zu werden.
  • Die Bezeichnung der Position und wo Du diese gesehen hast, kommt in den Betreff und muss im ersten Satz nicht wiederholt werden.
  • Stell Dir vor, Du wärst der PersonalerIn: Welcher Einstieg würde Dich aus dieser Perspektive begeistern?
  • Generell gelingt der erste Absatz dann, wenn die Darstellung der Motivation mit der Beschreibung der eigenen Persönlichkeit geschickt kombiniert wird und im Einklang ist.

Im Folgenden zwei Beispiele für einen gelungenen Einstieg:

„Einen kreativen Kopf zeichnet aus, dass er um die Ecke denkt und sich nicht mit banalen und ineffizienten Lösungswegen zufrieden gibt. Mit dieser Einstellung kann ich Ihre Kunden begeistern…”

„Kunden gewinnen, begeistern, binden: Laut Studien schätzen 75 Prozent von ihnen den persönlichen Kontakt. Mit meiner Erfahrung…”

Das Geständnis: Liste Deine Schwächen auf

„Wir können alles außer Hochdeutsch.” Vor einigen Jahren war dies der Werbespruch des Landes Baden Württemberg aus Deutschland. Ziel war es, primär qualifizierte Menschen in das Bundesland zu locken, und die Möglichkeiten, die Baden Württemberg bietet, zu bewerben. Es war eine authentische Kampagne, die auch heute noch zum Schmunzeln anregt, weil jeder weiß, dass sich viele Schwaben mit einem dialektfreien Hochdeutsch schwertun. Die Stärke des Landes (attraktive Arbeitgeber, höchste Gehälter Deutschlands, schöne Landschaft) überstrahlt ohnehin das, was sie nicht können. Zumal man die eigentliche Schwäche in Zeiten des Aussterbens von Dialekten auch positiv auslegen kann.

Was bedeutet das für Deine Bewerbung? Du kannst Dir diese Strategie zunutze machen, indem Du ehrlich sagst, was Du nicht kannst und dadurch Deine eigentlichen Potenziale umso stärker in den Vordergrund rücken. So machst Du dem/der HR-ManagerIn klar, dass Du mit offenen Karten spielst, aber Deine Schwächen für die ausgeschriebene Position keine große Rolle spielen; es sei denn, Du kannst für die nächste Geburtstagsfeier des Chefs nicht den weltbesten Muffin backen – aber das ist ein anderes Thema. ;-).

Du hast trotz dieser Erläuterungen Bedenken, deine Schwächen zu nennen? Solltest Du tatsächlich gravierende Schwächen haben, die für einen Großteil der Anforderungen einer bestimmten Position hinderlich sind, macht eine Bewerbung vermutlich ohnehin wenig Sinn. Dass Du als BerufseinsteigerIn aber nicht alles können musst, ist auch logisch. Falls bestimmte Schwächen also Anforderungen den künftigen Tätigkeitsbereich betreffen, ist es empfehlenswert, gleichzeitig Lernbereitschaft zu signalisieren bzw. wiederum eigene Stärken, die die Schwächen in den Schatten stellen, umso deutlicher hervorzuheben.

Dass diese Strategie funktionieren kann, zeigen etwa die Erfahrungen eines deutschen Kaufmanns und eines Bewerbers aus New York, der in seinem Lebenslauf bewusst Schwächen wie ein schlechtes Namensgedächtnis etc. aufgelistet hat. So war der deutsche Kaufmann – übrigens ein Kunde der renommierten Karriereberaterin Svenja Hofert – mit einer Einladungsquote von 25 Prozent überdurchschnittlich erfolgreich. Gewiss erfordert dieses Vorgehen auch Mut und wird in eher konservativen Unternehmen oder Berufsfeldern weniger gefragt sein. Doch gerade, wenn bisherige Strategien nicht so gut funktionierten, lohnt es sich etwas mutiger zu sein und auch Risiken einzugehen. Im schlimmsten Fall bekommt man eine Absage, aber gleichzeitig auch einen Erkenntnisgewinn (http://bit.ly/2kb6uPD und http://bit.ly/2wrjXYO).

Was fürs Auge: Infografiken und Timelines

Wir leben im visuellen Zeitalter – Bilder, Videos und hübsche Grafiken sind gefragter denn je. Warum diesen Trend nicht auch für die eigene Bewerbung nutzen? Wer grafisch talentiert ist, kann so zum Beispiel besonders wichtige Stationen des Lebenslaufs in einer Timeline hervorheben. Wenn Du Deine Fähigkeiten prozentual verteilt darstellen möchtet, eignet sich beispielsweise ein Kreisdiagramm. Es gibt viele Möglichkeiten, kreative Diagramme zu gestalten – die/der GrafikerIn Deines Vertrauens wird Dich beraten. Bedenke aber, dass bei Bewerbungen der Inhalt immer noch Vorrang hat. Anschreiben und Lebenslauf also mit Infografiken & Co. überschüttet und lenken sie vom eigentlichen Inhalt ab, ist dies definitiv kontraproduktiv. Und auch hier gilt: Wer in einer Werbeagentur arbeiten möchte, kann mutiger sein, als ein/e BuchhalterIn, der/die sich für eine Position in einer Bank bewirbt (http://bit.ly/2wBSm7K und http://bit.ly/2w8mhRK).

Direkt sein: Gehaltsvorstellung anführen

Als frisch gebackene/r AbsolventIn ist der Verhandlungsspielraum bei Gehaltsgesprächen leider begrenzt. Dennoch kann es eine gute Strategie sein, das gewünschte Gehalt bereits in der Bewerbung anzuführen. Gerade wenn Du bereits erste Erfahrungen in der Branche gesammelt hast, was viele Deiner MitbewerberInnen als frisch gebackene AbsolventInnen vermutlich nicht haben, lohnt es sich selbstbewusst eine bestimmte Summe festzulegen. Informiere Dich aber unbedingt vorab über branchenübliche Einstiegsgehälter, damit Du nicht zu sehr davon entfernt liegst. Mehr zum Thema Gehalt erfährst Du in dem Artikel „Einstiegsgehalt: So viel können MaturantInnen verlangen” auf Seite. .

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