Warum Online-Reputation für BewerberInnen so wichtig ist

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Facebook-App auf Smartphone und Scrabblesteine Social Media

Social Media Kanäle sind privat wie beruflich nicht mehr wegzudenken. Vor allem die Plattformen Xing und LinkedIn sind wichtig, um berufliche Kontakte zu knüpfen und auf sich aufmerksam zu machen. Wir haben Social-Media-Expertin Andrea Starzer von JOBshui Consulting gefragt, worauf es bei der eigenen Online Reputation ankommt.

andrea-starzer>absolventen.at: Warum soll ich mich als BewerberIn mit dem Thema Online Reputation auseinandersetzen?

Andrea Starzer: „8 von 10 BewerberInnen suchen online nach Jobs“ – das weiß auch das HR-Management und optimiert auch selbst die Online Präsenz der Unternehmen in Suchmaschinen. Ihre Profile in Business-Netzwerken wie Xing & LinkedIn sollten Sie auf alle Fälle aktualisieren. Nehmen Sie ruhig auch direkten Kontakt mit wertvollen Netzwerkpartnern auf; denken Sie dabei an ehemalige StudienkollegInnen, ArbeitskollegInnen, Vortragende etc. Kontaktieren Sie gezielt Personen aus dem Bereich, die Sie besonders interessieren und/oder treten Sie einer Xing-Gruppe bei, um Ihr Know-how auch zu platzieren. Direktheit siegt hier oft. Wer direkt nachfragt, zeigt nicht nur sein Interesse, sondern bekommt auch direkte Rückmeldung.

 

>absolventen.at: Der Bewerbungsprozess in Österreich ist aber noch sehr konservativ geprägt. Wie viele Arbeitgeber interessieren sich tatsächlich für mein Social Media Profil? Sind nicht Dienstzeugnisse viel entscheidender?

Starzer: Wenn Sie dazu im Internet recherchieren, merken Sie, dass das Recruiting in den letzten Jahren schon viel kreativer geworden ist. Hauptauslöser hier ist sicher der Fachkräftemangel. Aktuell sehe ich den Lebenslauf noch immer als wichtigstes Instrument im Zusammenhang mit Bewerbungen an – hier werden leider noch immer viele Fehler gemacht.

Dienstzeugnisse nehmen für mich an Bedeutung ab. Viele MitarbeiterInnen werden von Unternehmen „hinausgelobt“, um sich im Guten zu trennen oder werden auch von MitarbeiterInnen selbst verfasst. Zertifikate von Seminaren, Workshops etc. schätze ich hier weit höher ein.

 

>absolventen.at: Welche Rückschlüsse können Unternehmen aus einem professionellen Auftritt ziehen? Steigere ich so wirklich meine Chancen, den Job zu kriegen oder dient das nur zur Kontrolle der Bewerber?

Starzer: Das hängt mit Sicherheit eher mit der Art der Ausschreibung denn mit der „Kontrolle“ zusammen. Von einem/r BewerberIn im Bereich Online Marketing, PR, Marketing, Sales, Produktmanagement etc. erwartet man sich in der Regel heute bereits eine hohe Affinität im Online Umfeld. Das Personalmanagement von heute rekrutiert schließlich nicht nur KandidatInnen, sondern bereits sein Netzwerk mit!

 

>absolventen.at: Sprechen wir im Zusammenhang mit Online Reputation nur von Xing oder LinkedIn oder gibt es noch andere relevante Plattformen?

Starzer: Xing & LinkedIn sind aktuell die relevantesten Business Netzwerke. Denken Sie bei der Auffindbarkeit aber ruhig auch an andere soziale Kanäle wie Twitter, Pinterest oder Facebook. Als Tipp hier immer: „Egal, was Sie in sozialen Medien posten oder teilen, welche Meinungen Sie verbreiten – überlegen Sie, ob Sie damit ggf. auch noch in eine paar Jahren konfrontiert werden wollen. Und würden Sie auch wollen, dass das Ihre Oma sieht? 😉 Das hilft in der Entscheidung hierüber oft gut weiter.

 

>absolventen.at: Nun haben wir geklärt, warum ein professioneller Social Media Auftritt für den beruflichen Erfolg mitentscheidend sein kann. Wie verbessere ich nun konkret meine Reputation?

Starzer: Arbeiten Sie in Stufe 1 an Ihrem perfekten Lebenslauf OFFLINE und bilden Sie den dann auch auf Xing und LinkedIn ab.

 

>absolventen.at: Was sind absolute No-Gos in den sozialen Netzwerken?

Starzer:

  • Plumpe Anschreiben an Personen, die man nicht gut kennt
  • Kontaktanfragen ohne Nachricht an Personen, die man gar nicht kennt
  • Unqualifizierte Kommentare zu Beiträgen

Insgesamt gilt auch hier: Überlegen Sie, was Sie tun und ob Sie es umgekehrt auch so gerne für sich selbst hätten.

 

>absolventen.at: Wie können MaturantInnen oder BerufsanfängerInnen online schnell Kontakte knüpfen? Man kennt ja noch nicht so viele Berufstätige.

Starzer: Eine Karrieremesse ist immer eine gute Gelegenheit, mit Personalverantwortlichen ins Gespräch zu kommen. Hier sollte man sich nach einem kurzen Gespräch am Messestand in Erinnerung rufen mit: „Danke für Ihr nettes Feedback heute bei der Messe xy – ich freue mich, wenn Sie mich in Ihr Netzwerk einladen“.

UND noch besser: StudienkollegInnen, Vortragende, LehrerInnen …  ins Netzwerk einladen (man verliert sich nach dem Studium aus den Augen und jeder tritt woanders eine Stelle an – über Business Netzwerke bekommt man auch das mit – vorausgesetzt Profile werden aktualisiert. Auch während Praktika lernt man eine Reihe von Personen im Unternehmen kennen. Ich empfehle, sich auch hier in Erinnerung zu rufen – wer weiß, ob nicht der eine oder andere Kontakt von Bedeutung ist/wird.

 

>absolventen.at: Sollten BewerberInnen Links zu den Social Media Profilen in den Lebenslauf einbauen?

Starzer: Nein, das ist nicht erforderlich, es sei denn, es wird darauf explizit hingewiesen. Aktuell fällt mir das nur bei Stellenausschreibungen im Bereich Online Marketing auf.

Aber denken Sie unbedingt daran: Stimmt Ihr Lebenslauf gegebenenfalls mit dem Profil in Businessnetzwerken überein?

Persönlich glaube ich, dass klassische Bewerbungen ein Ablaufdatum haben und ein kurzes, nettes Motivationsschreiben mit Link zum LinkedIn oder Xing-Profil die Zukunft ist. Denken Sie in diesem Zusammenhang an: www.nina4airbnb.com

 

>absolventen.at: Wann kann es hilfreich sein, sich professionell beraten zu lassen?

Strazer: Der Anlass ist recht unterschiedlich und variiert von jung bis alt. Meistens kontaktieren mich Personen, die

  • viele Bewerbungen verschickt haben und noch immer keine Einladung für ein Gespräch erhalten haben
  • Lücken im Lebenslauf haben
  • Weiterbildungsmaßnahmen setzen wollen und hier noch eine Meinung brauchen
  • Gehaltsverhandlungen vor sich haben und gecoacht werden wollen
  • oder eine neue berufliche Karriere anstreben und Begleitung gewünscht wird.

 

>absolventen.at: Welche Trends gibt es derzeit in den sozialen Netzwerken?

 Starzer: Von Lebenslaufdarstellung in Pinterest oder einer vollständigen Bewerbung mittels Webpage ist alles drin. Nina4Airbnb ist hier ein tolles Beispiel, wie man Wissen, Motivation und Karrierewunsch kombinieren kann.

Als Trend würde ich auch den regen Zustrom in die Businessnetzwerke Xing & LinkedIn werten. Während man durch Blogs gerade auf LinkedIn seine Expertise unter Beweis stellen kann, bietet XING Fachgruppen an. Auch Recruiting findet hier bereits statt.

Bewerbungen erfolgen zwischenzeitlich auch schon via 1-Klick – denken Sie in diesem Zusammenhang zum Beispiel an www.experis.at (Fachkräfte Personalvermittlung).

Als Trend wird ferner gewertet, dass durch digitale Employer Branding Strategien der Unternehmen Personen auf Unternehmen aufmerksam werden, die sie vorher noch gar nicht gekannt haben und Sie auch via z.B. LinkedIn, Twitter oder Google Anzeigen mit Jobs konfrontiert werden.

Bleiben Sie wachsam! Viel Erfolg beim nächsten Karriereschritt!

Vielen Dank für das Interview!

 

Bilder: Bild 1: © William Even – Unsplash.com, Bild 2: © Andrea Starzer

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